HOME OrtsgruppenPulheim Haus Orr
Ortsgruppe Pulheim
Etappensieg in Orr
Text & Fotos Sabine Braun
Liebe NABU-Freunde! Nicht jeder kennt Orr. Deshalb eine kurze Vorstellung.
Orr ist ein winziges Dörfchen im NW von Pulheim. Es hat keine 20 Einwohner, dafür aber die Ruine eines alten Gutshauses, ein Bau des bekannten Dombaumeisters Zwirner, der auch Schloß Moyland bei Cleve gebaut hat.
![]() |
Daneben liegt ein historischer Landschaftspark, von dem ebenfalls berühmten Gartenarchitekten Rosarius als englischer Garten angelegt, aber als solcher nicht mehr direkt erkennbar und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Südöstlich erstreckt sich der Orrer Busch ( 50 ha) mit der kleinen Laache, einem Abzweig des Pulheimer |
Baches, der hier früher einige Teiche mit Wasser versorgte, die aber lange trocken gefallen sind. Der Bereich der Kleinen Laache ist m.E. der ökölogisch wertvollste Teil des Gebietes.
Nachdem die Pulheimer Ortsgruppe mit der Kreis- und Stadtverwaltung Pulheim bezüglich der Großen Laache gut zusammengearbeitet hatte, (H.-G.-Apitzsch hatte ein sehr brauchbares Entwicklungskonzept für das Gebiet erarbeitet), war wohl offenbar eine gewisse „Vertrauensbasis“ geschaffen, uns seitens der Stadtverwaltung einzuladen, einer Projektpräsentation des „Investors“ im Bereich Orr beizuwohnen.
| Wir hatten schon vorher Gerüchte gehört und über den LBR um Sachstandsbericht bitten lassen. Dieser war dann auch in dürftigster Form dort verlesen worden und hatte unser Misstrauen nur geschürt. Am 9. 12 2010 unterbreitete Herr Nusch, Projektleiter der Park Orr Liegenschaften GmbH & Co, dann H.-G. Apitzsch, Ute Schulz und mir sowie dem technischen Beigeordneten der Stadt Herrn Senk und der Umweltkoordinatorin Frau Cassens Sasse sein Vorhaben. Er wolle die Ruine zu einem abgeschirmten Konferenzzentrum ausbauen, den historischen Park um Anteile der Kleinen Laache (NSG) erweitern ,restaurieren, um ein Cafe bereichern und einzäunen. Dieser Park solle dann nur für Mitglieder (Jahreskarte) zur Verfügung stehen, für deren Kinder aber gratis sein. Die ausgetrockneten Teiche sollten wieder mit Wasser aus dem Pulheimer Bach bespannt werden. Um diese teuren Projekte finanzieren zu können, waren folgende Eingriffe in das NSG Orrer Wald und |
![]() |
darin befindliche kleine LSG-Inseln geplant:
10 Blockhäuser im Zentrum des Waldes (Äsungsflächen, LSG-Inseln) , 10 Tipis, Baumhäuser (alles zusammen als „Naturhotel“ mit 60 Übernachtungen pro Tag) und als Krönung des Ganzen und Publikumsmagnet ein Wipfelpfad im NSG von mindestens 200 m Länge.
Im LSG: Ackerfläche im Südwesten des Orrer Busches sollte eine „Bio-Gärtnerei“ entstehen mit bis über 100 Parkplätzen (so viel hat gerade mal Dingers Gartencenter!)
![]() |
Die Stadtverwaltung war begeistert und versuchte, uns für das Projekt zu gewinnen. Wir machten aber sehr klar deutlich, dass die Wiederherstellung von Ruine und historischem Park von uns unterstützt würde, aber dass wir gegen jegliche Eingriffe im NSG oder LSG opponieren würden. Die Eingriffe stünden den Schutzzielen in dem kleinen Wald massiv entgegen. Man bat uns, gegenüber Politik und Presse Stillschweigen zu bewahren, da diese noch nicht informiert worden seien und es verübeln könnten, dass der NABU vor ihnen in Kenntnis gesetzt würde. Wir sollten das Gehörte doch noch mal überdenken und „überschlafen“. Wir räumten dies zunächst ein. Als uns aber klar wurde, dass schon am 15. 12. 10 im Rat der Stadt ohne vorherige Beteiligung des Umwelt- und Planungsausschusses über einen Aufstellungsbeschluss zur FNP-Änderung von |
Naturschutz zu einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan entschieden werden sollte, haben wir schnell reagiert.
Hans-Georg Apitzsch hat in einsamer nächtlicher Arbeit einen Flyer mit dem Titel: „Orrer Busch: Naturschutz oder Rummelplatz“ verfasst, den wir auf der Weihnachtsfeier der Sinnersdorfer SPD verteilten.
......Gutspark Wiesenschaumkraut-Wiesen .....................................................Pferdekoppeln Kleine Laache
Uns wurde dort sofort Unterstützung zugesagt. Die FDP-Politiker wurden über Herrn Horst Engel (Landtagsmitglied), den wir für unsere Seite gewinnen konnten, gegen die Zustimmung zur FNP-Änderung sensibilisiert.
Auf der entscheidenden Ratssitzung, wo wir auch noch Flyer verteilten, wurde trotz des Antrages von SPD, FDP und Grünen der Tagesordnungspunkt nicht abgesetzt und der Aufstellungsbeschluss wurde von der CDU und dem Bürgerverein mit einer Stimme Mehrheit vor Weihnachten noch „durchgepeitscht“
Hans-Georg Apitzsch hat daraufhin noch einen zweiten Flyer fertig gestellt mit dem Titel:
„Naturschutzgebiet Ausverkauf“.
Lungenkraut |
Ute Schulz hatte mittlerweile im Amtsgericht Köln die Handelsregistereinträge eingesehen und festgestellt, dass nicht etwa Herr Nusch der Investor ist, sondern die MAXANA GmbH und Co, eine Vermögensverwaltungs-gesellschaft mit einem Schweizer Geschäftsführer namens Walter oder? Josef Zemp (Aha!). Mit dieser Info hielten wir nicht hinter den Berg. Wir äußerten sehr deutlich den Verdacht, dass es hier um eine schnelle Rendite über Immobiliengeschäfte gehen könnte. Dem wurde von CDU, Bürgerverein, die uns auch der Verbreitung von Unwahrheiten bezichtigten, und der Verwaltung heftigst widersprochen. Herr Nusch hatte sich übrigens unterdessen beim NABU Landes- und sogar Bundesverband über unser „naturfeindliches“ Verhalten beschwert, nicht ohne dabei auf den Stiftungsgedanken des NABU zu verweisen. |
Wir bekamen aber sofort die volle Rückendeckung unseres Verbandes, nachdem entsprechende Informationen übermittelt worden waren.
Im Januar scheiterte leider der Versuch der SPD im Kreis-Umweltausschuss, das Verfahren zu stoppen, an den Stimmen der CDU und FDP.
Mitte Februar, nachdem sich bereits Enttäuschung breit machte, hörten wir, dass der Investor das Projekt aufgegeben hatte.
Wir waren enorm erleichtert. Dann erschien aber ein bitterböser Artikel in Kölner Stadtanzeiger von Frau Machnik, in welchem dem NABU vorgeworfen wurde, die Restauration von Ruine und Park verhindert zu haben, keinerlei Koperation zu zeigen und „Hauptsache dagegen“ zu sein. Auch meine Glaubwürdigkeit wurde in Zweifel gezogen. Nach unserer Beschwerde beim Redaktionsleiter Rhein-Erft erschienen in den nächsten Ausgaben zwei volle Seiten mit Leserbriefen, die unsere Position stützten,.Auch ich nahm die Gelegenheit wahr, mich in einem Leserbrief zu äußern. Damit war das Ansehen des NABU und unsere Glaubwürdigkeit wieder hergestellt.
Wir freuen uns, dass dieses unsägliche Vorhaben gescheitert ist, wiegen uns aber noch nicht in Sicherheit: denn das FNP-Änderungsverfahren ist auf dem Weg. Es bräuchte nur ein Folge-Investor ein neues Vorhaben anzumelden und die Stadt Pulheim würde Profit wittern und die Sache unterstützen. Der Naturschutz für das Gebiet „Orrer Wald und Große Laache“, wie es offiziell heißt, war ihnen immer ein Dorn im Auge. Ich weiß das genau, weil ich 1994 den Antrag aus Naturschutz für dieses Gebiet gestellt hatte und von der Stadt Pulheim keinerlei Unterstützung bekam. „Wir bringen uns mit einem Naturschutzgebiet ja um alle Planungsmöglichkeiten in dem Gebiet“, so Originalton der Stadtverwaltung. Erst die Hilfe der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung führte 1999 zur NSG-Ausweisung!
Wir bleiben also wachsam.
Danke noch mal für Eure/Ihre Unterstützung!
Eure/Ihre Sabine Braun und die Pulheimer Ortsgruppe

Blühende Landschaften
Der NABU gibt die 77 besten Tipps wie Sie unser Klima schützen können. Mehr
NABU RHein-ERFT
Termine

> 

